Mittwoch, 3. August 2011

E-mail für Euch #6 : Dystopien und kein Ende

E-mail für Euch ist eine Serie von Beiträgen geschrieben von meiner Schwester Patrizia und handelt von ihren Gedanken & Meinungen zu Buchthemen, die sie beschäftigen.


E-Mail für euch!

Faszination Dystopie.
Zunächst einmal muss ich feststellen, dass mein Word mir doch tatsächlich unterstellen möchte, dass es das Wort „Dystopie“ nicht gibt, aber gut. Vielleicht unterstützt Microsoft von Haus aus die Möglichkeit einer Dystopie nicht, wer weiß das schon.
Doch darum soll es mir heute eigentlich gar nicht gehen. Dystopien sind in letzter Zeit immer häufiger der Rahmen für die Handlungen, die man in die Finger bekommt. Immer häufiger leben unsere Protagonisten in Welten, die auf die eine oder andere Weise vollkommen missraten sind. Und oft liegt es auch nur in der Hand unseres Protagonisten und vielleicht ausgewählten Freunden, diese Dystopie zu zerstören und somit auch den Rest der Menschheit zu retten. Dieses Phänomen nennt man übrigens Trittbrettfahrer-Effekt, da der Rest, ohne etwas zu tun, trotzdem die Vorteile genießen wird.

Was ist es also, was uns immer häufiger in den Bahn der verschiedensten Dystopien schlägt? Liegt es daran, dass uns die eigene Welt oft extremer widergespiegelt wird und wir erkennen, wie schlecht bestimmte Züge der Gesellschaft sein können? Oder ist es der ewige Kampf zwischen Gut und Böse? Zumal der Mensch dazu neigt, dem Bösen immer mehr Kraft zuzusprechen. Das Böse ist immer stärker als der Einzelne Gute und nur der Zusammenschluss von verschiedenen Guten, kann das Böse schließlich im alles entscheidenden Schlag vernichten. Oder steckt noch etwas ganz anderes dahinter?

Die zwei klassischen Dystopien der Literatur sind !"1984" von George Orwell und „Schöne neue Welt“ von Aldous Huxley. Normalerweise entstanden Dystopien vor allem in Zeiten politischer Unruhen. Sie sollten die aktuelle Entwicklung wiederspiegeln und die Bevölkerung so warnen. Heute sind wohl mit Abstand die friedlichsten Zeiten, schaut man sich die Geschichte an. Es scheint so, als hätte sich die Dystopie weiterentwickelt vom stark warnenden Charakter hin zu etwas, was Neuem. Natürlich warnen uns heutige Dystopien immer noch auf die eine oder andere Weise, doch die Beziehungen in ihr schaffen es, die sie umgebende Welt zu durchbrechen und damit zu zerstören. Mag es ein positives Menschenbild der Autoren oder die Lehren aus der Geschichte sein, für uns scheinen Dystopien heute nicht mehr zeitlos allmächtig zu sein. Das ist, wie ich finde, ein sehr schöner Gedanke, da es auch auf unser normales Leben übertragbar ist. Wenn man sich immer wieder sagt, das man selbst nichts verändern kann, weil ein System nicht von einem Menschen verändert wird, dann zeigen uns solche Romane in der extremsten Form, dass es doch möglich ist und man den Mut dazu haben sollte.


Aber wer weiß, vielleicht sagt ihr auch, dass ich viel zu viel in diesen Trend hineininterpretiere, doch ich denke Trends werden auch immer aus einem bestimmten Grund Trends, also muss ja etwas dahinter stecken. Ich bin gespannt, was ihr dazu sagt.

Liebe Grüße
Patrizia

Kommentare:

  1. Sehr interessanter Beitrag! :D Ich persönlich find eigentlich nicht, dass wir in besonders friedlichen Zeiten leben. Die Welt wird doch immer kranker! Aktuellstes Beispiel: Oslo
    Natürlich bekommt man in Deutschland noch nicht so viel davon mit. Aber wenn man mal hinter die Fassade schaut, so ist es doch momentan sehr unruhig auf unserem Planeten.^^ Das ist natürlich kein Vergleich zum 2. Weltkrieg, aber das sollte ja auch nicht der Maßstab sein, oder?
    Ich liebe Dystopien! Die Botschaft ist doch: Das auch ein kleiner Mensch was verändern kann, egal wie mächtig der Gegner ist. Ich finde, das hast du schön beschrieben. :D

    Ganz liebe Grüße, Debbie

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  2. @ Debbie
    Ja, die Stelle mit dem "freidlich" hat mir selbst auch kopfzerbrechen bereitet. Und ich gebe dir natürlich recht, was Attentate wie Oslo oder sonstiges angehen. Aber ich dachte mir, wenn man sich mal global anschaut, wie weit die Demokratie verbreitet ist. Allein das sorgt schon dafür, dass es vielen Menschen doch auch besser geht. Und Wohlstandsmäßig gibt es natürlich immernoch Nachholbedarf an allen Ecken, doch er ist trotzdem verbreiteter denn je. Eine wirklich friedliche Welt werden wir wohl nie haben und die Gefahren werden sich wahrscheinlich nur wandeln und nie ganz verschwinden. Aber wenn man Zeiten mitmacht, in der ganze Regierungsformen geändert werden und eine Dystopie schreibt und dann heute lebt, gibt es eben doch noch einige Unterschiede. Wir dürfen wohl sagen: Zum Glück.
    Aber wie gesagt, ich kann deine Erwähnung gut verstehen, da ich es selbst schwierig fand in Worte zu packen :)

    Patrizia

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  3. Ich lese ab und zu ganz gerne Dystopien aber auch sehr gerne Bücher, die in einer heilen Welt spielen. Über das warum habe ich mir noch nie so genau Gedanken gemacht aber tendenziell mag ich glückliche Bücher, die nicht zu traurig sind. In der realen Welt passieren schon genug schlimme und grausame Sachen, da muss ich in meiner Freizeit nicht auch noch darüber lesen. Und trotzdem sind Dystopien faszinierend für mich und so lange sie nicht zu dunkel sind, lese ich sie eigentlich sehr gerne.

    Zu der friedlichen Zeit: Geschichtlich gesehen leben wir jetzt l tatsächlich in einer sehr friedlichen Zeit, auch wenn das oft nicht so scheint. Ich musste auch erst mal kurz darüber nachdenken, aber geschichtlich gesehen stimmt das wirklich, vor allem wenn man sich mal anschaut, was alleine im letzten Jahrhundert so passiert ist (Weltkriege, Kalter Krieg, Vietnam, RAF, etc.). Dagegen ist es jetzt schon eher friedlich (zumindest für uns).

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  4. Ja klar, geschichtlich gesehen leben wir in friedlicheren Zeiten als früher! Da habt ihr Recht! :D Gott sei Dank! :D Es wird wahrscheinlich immer "dreckige Ecken" geben, wo mal aufgeräumt werden müsste. xD Zum Beispiel in der Politik, die für meinen Geschmack zu eng mit den Pharmakonzernen zusammen arbeitet. Oder die Hungersnot in manchen Ländern, wie die Supermärkte hier jeden Tag Tonnen an Lebensmittel wegschmeißen...*kopfschüttel* Aber lassen wir das lieber, sonst rede ich morgen noch! :D

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  5. @ Debbie: Da kann ich nur zustimmen. Über Lobbyisten und unsere Politiker rege ich mich auch auf, bei so einem Thema komme ich ganz schnell in Rage. Und Sachen wie die Hungersnot sind auch sehr traurig. Bei dem Thema empfehle ich mal einen Blick auf die deutsche Entwicklungsarbeit unter dem aktuellen Minister, da werde ich so richtig wütend.

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  6. @Sabrina:

    Ja, das ist schon heftig! Und das ist noch nicht mal der Gipfel vom Eisberg. Wer weiß, was noch so alles in der Politik abläuft, von dem wir rein garnichts erfahren.*kopfschüttel*

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