Mittwoch, 7. Januar 2015

Wem gehören Charaktere?

Eine Diskussion (um es mal nett auszudrücken), die vor einigen Wochen auf der Facebook-Seite von Autorin Nora Roberts stattgefunden hat, hat mich zum Nachdenken gebracht. Einige wenige Leser waren aufgebraucht (erneut eine nette Umschreibung der Situation), weil Nora Roberts verkündet hatte, das Eve Dallas in den In Death Büchern nicht (niemals nie) Mutter werden würde. Daraufhin vergaßen einige Leser ihre gute Kinderstube, fingen an die Autorin wüst zu beleidigen und pochten auf ihr Recht als Leser zu entscheiden, was mit Charakteren zu geschehen hat. 

Wie so oft war ich vom Tonfall einiger Kommentare überrascht, was muss man nur für ein trauriges Leben führen, wenn man mit so viel Unzufriedenheit und Hass in sich hat, auch war ich überrascht, dass einige Leser Charaktere quasi als persönliches Eigentum betrachteten. Auch wenn ich Bücher über alles liebe, bestimmte Charaktere fast schon vergöttere, so hatte ich nie den Gedanken daran, dass ich sie besitzen würde, dass ein Autor mich fragen müsste, ob eine bestimmte Entwicklung in einer Serie irgendwann eintreten soll oder nicht. 

In meinen Augen ist ein Autor so etwas wie ein Reiseführer. Er bestimmt den Ablauf meiner Reise, er entscheidet, was er mir zeigt und was nicht. Wie ich das Gesehene wiederum aufnehme und es verarbeite, was ich dabei fühle, das alles ist dann etwas ganz persönliches, das ich mit mir selbst ausmache. Der Autor bestimmt also die Geschichte, ich meine Emotionen darauf. Hat mich ein Autor auf eine spannende Reise mitgenommen, dann buche ich in Zukunft erneut, kaufe also auch ein weiteres Buch. Hat mir die Auswahl der Themen, der Charaktere nicht gefallen, bleibt es bei dieser einmaligen Reise. Aber zu keinem Moment geht die Entscheidung über die einzelnen Geschehnisse auf der Reise an mich über und darüber freue ich mich persönlich sehr. Denn ich will gar nicht entscheiden, was als nächstes passiert, dann könnte ich ja auch gleich selbst meine Ausflüge zusammenstellen, dann könnte ich auch gleich selbst das passende Buch dazu schreiben. 

Daher liebe Autoren, vielen Dank an die tollen Reisen, auf die ihr mich schon mitgenommen habt, ich freue mich auf viele mehr. 

Kommentare:

  1. Hmm, vom Titel her habe ich eher darüber nachgedacht, wie das eigentlich ist, wenn man eine Fanfiction schreibt und die Figur eine geschützte Marke ist... aber das ist auch interessant. Erinnert mich daran, dass J.K. Rowling mal angegeben hat, sie hätte eigentlich Harry und Hermine zusammenkommen und Ron sterben lassen wollen, sich aber, weil sie den Eindruck hatte, dass es den Fans mehr gefallen würde, sich umentschieden hatte... Und da geht es ja auch um die Frage, wie sehr man sich beim Schreiben eigentlich beeinflussen lässt...

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    1. Das mit Rowling wusste ich gar nicht, mir hätte diese Entwicklung sogar besser gefallen, Ron hat mich immer so genervt. ;)

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    2. Gibt viele die das sagen, wenn sie davon hören. Ich finde die jetzige Version eigentlich ganz okay, auch wenn ich den Epilog im letzten Band so gar nicht mag...

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    3. Mein Fall war der Epilog auch nicht, in meinen Augen war der Beginn und Mittelteil der Reihe aber generell stärker als das Ende.

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  2. Sowas gibt es? Verrückt. Ich denke schon, dass wenn man ein Buch veröffentlicht die Geschichte so ein bisschen abgibt. John Green sagt immer gern "books belong to their readers". Jeder nimmt halt was anderes mit aus der Geschichte oder spinnt sich über das Ende hinaus sonstwas für die Figuren aus. Damit muss man als Autor leben und das ist für die meisten ja auch kein Problem. Aber Forderungen an den Autor zu stellen, ist ein ganz anderes Kapitel, das geht zu weit. Jeder kann sich seine Figurenzukunft ausmalen wie er will (oder in Fanfictions aufschreiben), aber sich das Recht herauszunehmen zu bestimmen, dass das der einzig wahre Weg für Figuren, die man sich nicht selbst ausgedacht hat, ist, finde ich Unsinn.
    Was Rowlings Aussage über Harry und Hermione angeht, fand ich das aber auch doof. Also entweder man schreibt es in seine Bücher oder eben nicht. Nachträglich zu sagen, es hätte anders verlaufen sollen, finde ich irgendwie doof. Dann bitte lieber den Mund halten :)

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    1. Da gibt es noch ganz andere Sachen, im Internet zeigen manche wirklich ihre schlimmsten Seiten, egal um was es geht. Auf Buchseiten hält sich das ja meist noch etwas in Grenzen, aber auch hier stolpere ich immer mal wieder über Sachen, die ich nicht glauben kann.

      Stimmt schon, der Autor sollte machen, was er für richtig hält und sich nicht nachträglich korrigieren, da weiß man als Leser ja gar nicht, wie man die Sache nehmen soll.

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  3. Ich dachte für solche Situationen (Autor macht nicht, was der Leser will) gibt es Fanfictions. So dass, wenn ein Leser unzufrieden ist, er/sie sich sein eigenes Ende basteln kann. Scheinbar vergessen manche Leute, wenn sie ihren Willen bekommen, ihre gute Kinderstube und werden, statt nach einer Alternative zu suchen, ausfallend. :/ Traurig

    Liebe Grüße.

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    1. Stimmt, an die Fanfictions hatte ich so spontan gar nicht gedacht, aber hier wären sie wirklich die ideale Lösung. Im vorliegendem Fall fehlt aber wahrscheinlich die Eigeninitiative selbst etwas zu erschaffen, dumpf zu meckern ist dann doch einfacher.

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  4. Hallo :)

    Wirklich traurig, ich hätte niemals gedacht, dass Leser so drauf sein können. Die Charaktere gehören für mich ganz eindeutig dem Autor - die Leser, die Nora Roberts beschimpft haben, sollen doch ihr eigenes Buch schreiben, wenn es ihnen nicht passt oder eben andere Bücher lesen. Zwar hat man das Recht, seine eigene Meinung dazu zu haben, aber die Geschichte und ihr gesamter Inhalt gehören nunmal dem Autor und das ist auch gut so.
    Echt verwunderlich, wie manche Menschen so vermessen und boshaft reagieren können.

    Viele Grüße :)

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    1. Sehe ich auch so, aber so langsam wundert mich nichts mehr, online scheinen manche Menschen alle Freundlichkeit zu vergessen und lassen ihren Frust an allem aus, was ihnen in den Weg kommt. Diese Menschen müssen ein richtig trauriges Leben führen.

      Solange ich nicht gezwungen werde ein Buch zu lesen, hält sich meine Aufregung in Grenzen, klar finde ich manche Entwicklungen in Büchern nicht ideal und hätte mir etwas anderes gewünscht, aber mir ist auch klar, dass es ein Autor niemals allen Lesern recht machen kann.

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    2. Da gebe ich dir recht. Bei manchen Menschen hat man oft das Gefühl, sie sind nur so gehässig, weil sie selber mit ihrem eigenen Leben nicht klarkommen.

      Ich finde ja auch nicht alle Bücher gut und es gibt auch Charaktere, bei denen ich nur den Kopf schütteln kann. Doch dann ist es eben so. Deswegen ziehe ich nicht gleich los und fange an, die Autoren zu beschimpfen.
      Als Leser hat man aber eben auch das Recht, manche Entwicklungen auch nicht toll zu finden. Damit muss der Autor dann auch Leben.

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  5. Ein wenig schockt mich ein solches Leser verhalten zwar, andererseits ist es aber nichts Neues, man denke nur an den Aufruhr den der arme Conan Doyle verursachte als er seinen Sherlock Holmes sterben lies. :)

    Die Sache mit fiktionalen Charakteren ist die, und ich sage dass jetzt einfach mal in vollem Bewusstsein dass es sich, vorsichtig ausgedrückt, vielleicht sonderbar anhört, wenn einem ein Charakter ans Herz wächst, und man ihn über lange Zeit begleitet gewinnt er/sie eine ganz eigene Realität für einen, die Figur wird zu so etwas wie einem weiteren Familienmitglied oder engen Freund - und ja, wenn der Autor dann andere Ideen entwickelt im Bezug auf diese Figur als man selbst hat/wünscht, dann reagiert man manchmal etwas heftiger als geboten ist.
    Denn immerhin geht es ja um wohl und wehe eines Familienmitglieds.

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    1. Ich wusste gar nicht, dass es bei Conan Doyle auch so einen Aufruhr gab, das muss ich doch glatt mal nachlesen. :) Ich habe mir jetzt endlich mal die Romane um Sherlock Holmes gekauft und will bald meinen ersten lesen, es wird Zeit!

      Manche Charaktere wachsen mir auch sehr ans Herz, manche vielleicht mehr, als es für eine fiktionale Figur normal ist, mit Frustrationen bezogen auf Entwicklungen in Büchern, die ich nicht mag, komme ich persönlich aber trotzdem recht gut zurecht. Klar ist man auch mal nicht so glücklich, aber das gehört zum Lesen doch auch dazu.

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  6. Ich finde es interessant, dass hier in den Kommentaren einige verschiedene Meinungen zu dem Thema zusammenkommen :D Egal, welcher Theorie man beipflichtet: das RECHT über die Charaktere entscheiden und die Autorin (anscheinend) auch noch beleidigen zu können, hat auf alle Fälle gar kein Leser. Ich finde, Autoren legen mit ihren Büchern ihre Gedanken preis und geben uns Lesern die Möglichkeit, in den Genuss der fiktionalen Welten zu kommen. Man darf in die Fantasie eines Menschen hineinblicken. Man kann jemandem auch nicht vorschreiben, was er denken soll - wenn jemand nicht zufrieden ist und diese Sache akzeptieren kann, soll dieser jemand bitte seine eigenen Geschichten schreiben ...
    Aber ich denke, solche Fälle sind eher die Ausnahme als die Regel (hoffe ich). Gestern hab ich in den Kommentaren eines Youtubevideos doch tatsächlich User gesehen, die sich wüst aufgeregt haben, wieso sie bei der Verlosung nicht gewonnen haben und dass da was nicht mit rechten Dingen zugegangen sei. Bei 200.000 Teilnehmern und 6 Gewinnen. Kein Kommentar ...

    Alles Liebe,
    Sandra

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    1. "Man darf in die Fantasie eines Menschen hineinblicken." Vielen Dank für diesen wunderbaren Satz, so habe ich über das Schreiben noch gar nicht nachgedacht und doch trifft es genau zu.

      Gerade auf Youtube sind die Kommentare noch einmal eine ganze Nummer härter als auf Blogs, ich spreche da aus persönlicher Erfahrung, ist man dann noch im Bereich Beauty unterwegs, kann es richtig grausam werden.

      LG

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  7. Das ist ja wirklich schrecklich! Ich bin da ganz deiner Meinung, dass sowas der Autor allein zu entscheiden hat und nicht der Leser. Klar gibt es immer Sachen die einem als Leser nicht so gefallen, aber das ist doch noch lange kein Grund den Autor zu beschimpfen. Außerdem ist so eine Geschichte doch dafür da um sich in ihr zu verlieren und das Gefühl zu haben als wäre es wirklich passiert. Und wenn etwas wirklich mal so passiert ist, kann man es auch nicht ändern. Und da die Charaktere aus der feder von der Autorin stammen bezweifle ich das irgendein X-beliebiger Leser da irgendein Recht hat zu bestimmen was zu passieren hat und was nicht. Nora schreibt ja schließlich nicht nur für diese Menschen. Für mich hat der Autor die Fäden der Geschichte in der Hand und es wäre doch doof wenn es so passiert wie ich mir das denke. Wo bleibt dann das Neue, Aufregende?

    Ach ich finde das einfach ziemlich dumm. :D

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  8. So ist es . :)

    Ich liebe es mich in die Hände eines Autoren zu begeben und die Geschichte, die dieser sich ausgedacht hat, auf mich zukommen zu lassen, gerade darin liegt einer der Reize von Geschichten.

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