Montag, 4. Mai 2015

Fühl dich nicht schuldig!

Mittlerweile bin ich beim Umgang mit Buchblogs und Booktube-Kanälen recht entspannt. Ich weiß, wen ich meiden muss, wenn ich kein Interesse an unnötigem Drama habe, ich weiß, wer Bücher liest, die mich auch interessieren und ich weiß, welche Blogs mich gut unterhalten und welche nicht. 

Eine Sache, der ich trotzdem schlecht aus dem Weg gehen kann und die meinen Puls immer noch schlagartig in die Höhe schießen lässt, sind die sogenannten guilty pleasures. Ich habe diesen Ausdruck noch nie gemocht und das wird sich in Zukunft nicht mehr ändern. 

Warum in aller Welt sollte ich auch nur einen Hauch von Schuld, schlechtem Gewissen oder sonst irgendetwas empfinden, nur weil ich eine bestimmte Sorte von Buch gerne gelesen habe? Warum muss ich Bücher, die vermeintlich unter meinem eigentlichen Leseniveau stehen und die ich aber trotzdem von Zeit zu Zeit gerne lese, als guilty pleasures abtun? Warum nicht sagen: Jawohl, manchmal machen mir diese Bücher Spaß, manchmal sind sie genau das was ich will und es ist gut so.

Ich sehe die Verwendung von guilty pleasures als eine Art Abwertung des eigenen Lesegeschmacks und das schmeckt mir persönlich nicht. Warum ist eine süße Liebesgeschichte oft automatisch ein guilty pleasure? Warum oft das YA Buch, dass man als Erwachsene liest? Warum nicht den eigenen Lesegeschmack breit aufstellen und nicht kategorisieren, welche Bücher die wichtigen, richtigen sind und welche nur guilty pleasures, also angeblich leichte Unterhaltung ohne Mehrwert? Warum nicht zu allen Büchern gleich stehen, warum sich vor anderen selbst klein machen? 

Wie ihr sehen könnt, habe ich über guilty pleasures in den letzten Monaten viel nachgedacht, wahrscheinlich zu viel. Hoffentlich kann ich diese Gedanken mit diesem Beitrag endgültig abschließen und bei den nächsten Erwähnungen von guilty pleasures, sie kommen bestimmt, ganz entspannt bleiben. 
Und vielleicht sehen andere den Ausdruck guilty pleasures auch anders, leichtherziger und weniger streng, gar nicht als Art Entschuldigung und verwenden ihn deswegen gerne. 

Mit dem Thema habe ich mich vor gut zwei Wochen auch schon einmal auf About Happy Books beschäftigt, aber weniger wortreich: 



Meine Gedanken rund um das Thema guilty pleasures möchte ich gerne mit einem Zitat (aus folgendem Artikel) von Nora Roberts abschließen, sie schafft es in einem Satz zu sagen, wofür ich bedeutend mehr brauche. 

Why would you apologise for what you read for pleasure?

Kommentare:

  1. Antworten
    1. So ist es. :)
      Übrigens geht es mir nach diesem Post wirklich "besser" und beim Gedanken an guilty pleasures bin ich entspannter, Ziel erreicht.

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  2. Ich verstehe dein Problem mit dem Begriff und stimme auch mit deiner Meinung überein, aber wie du am Schluss schon anmerkst, sehe ich den Begriff selbst nicht so eng. Er drückt für mich einfach aus, dass mich ein bestimmtes Buch zwar gut unterhalten hat bzw. Spaß gemacht hat, es gleichzeitig aber objektiv aus diversen Gründen eher schlecht fand oder extrem kitschig. Ich sehe das eher als eine Art Genre oder Themeneinteilung. Wenn ich Guilty Pleasure höre, erwarte ich eben bestimmte Merkmale von dem Buch (etwas Fluffiges quasi oder Melodramatisches), das heißt nicht, dass ich mich dafür schäme Spaß an dem Buch zu haben oder auf Leute hinabsehe, die vermehrt Bücher aus der Kategorie lesen.

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    1. Ich habe mir schon gedacht, dass andere den Begriff weniger eng und negativ sehen, vielen Dank für die Bestätigung. Wahrscheinlich sehe ich den Ausdruck deswegen eher negativ, weil ich ihn vor einigen Jahren auf einigen Blogs so präsentiert bekommen habe, danach habe ich gar nicht mehr genauer darauf geachtet, wie andere ihn verwenden und sehen. Das muss ich mal ändern und schauen, ob nicht die meisten Blogger den Ausdruck so wie du verstehen.

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    2. Ich finde deinen Einwand aber durchaus berechtigt. Das Wort hat ja theoretisch schon eine negative Konnotation und ich finde es nicht gerade unwichtig, wenn man hier und da mal genauer auf seine Sprache achtet :)

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    3. Das ist ja generell etwas, was man als Leser machen sollte und es macht doch auch Spaß.
      Wenn ich höre, dass manche Leser das Lesen von Rezensionen als zu anstrengend empfinden und gar keine Freude an der Sprache haben, stimmt mich das nachdenklich.

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    4. Hm, ich kann schon verstehen, wenn man keine Freude am Lesen von Rezensionen hat, das kann ja viele Gründe haben: dass man vorab nicht zu viel über das Buch wissen will, einem der Stil nicht gefällt oder man generell nicht so viel Spaß an Sachtexten hat. Oder meintest du was ganz anderes?

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    5. Ich dachte vor allem an die Leute, die zwar scheinbar Bücher mögen, denen aber selbst eine kurze Rezension zu langweilig oder anstrengend ist. Klar sind Rezensionen etwas anderes als ein Buch, aber manche scheinen richtig lesefaul zu werden und das kann ich nicht verstehen. Obwohl es dafür wahrscheinlich ganz logische Gründe gibt, die mir schlicht nicht in den Sinn kommen.

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    6. Ist ja auch was anderes, ob man lange Texte am Computer/Tablet/wo man halt so Rezensionen anguckt liest oder ein Buch aus Papier gemütlich im Sessel :)

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  3. Ich denke für mich irgendwo schon dass das "guilty pleasure", gerade durch das "guilty" erst zum "pleasure" wird. Nehmen wir doch einfach mal das wohl zur Zeit populärste "guilty pleasure" - würde sich ein "50 shades" auch nur halb so gut verkaufen ohne den Hauch der Veruchtheit?
    Hier gehört sicherlich das Schuldgefühl zum Vergnügen dazu.

    Für mich zumindest trifft das zu.
    Anita Blake zu Lesen (ehe sie nur noch Sexgeschichten verfasste), deren Guilty Pleasures genau das war, ein guilty pleasure, hätte mir sicherlich weniger Spass gemacht ohne diesen "Es ist Schund (genauer noch pflege ich sie unter "pulp" abzulegen), aber ich will verdammt sein wenn es nicht unterhaltsamer Schund ist" Gedanken beim Lesen.

    Guilty Pleasure ist damit zugegeben ein ganzes Stück weit Selbstrechtfertigung dafür warum einem etwas gefällt von dem man "weiß" das es schlecht geschrieben ist.

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    1. Danke für dein Kommentar, dadurch ist mir so einiges klar geworden, du bist heute mein ganz persönlicher Aufklärer. :) Denn egal was ich lese, auch wenn es so etwas wie Fifty Shades sind, ich habe niemals auch nur einen Hauch von Schuldgefühl. Ich mag, was ich mag und mache mir beim Lesen nicht so viele Gedanken darum, ob das Buch jetzt ein gutes ist oder "schlechtes" ist.

      Für mich wird der "pleasure" also nicht gerade durch das "guilty" dazu. Wahrscheinlich ist das auch der Grund, warum ich den Ausdruck guilty pleasure anders verstehe und verwende als andere Leser.

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