Dienstag, 4. August 2015

Lesen und Buchbloggen, passt das noch für mich?

Schon länger habe ich mir Gedanken darüber gemacht, wie Buchbloggen mein Leseerlebnis beeinflusst, wie vor allem meine Gedanken und Gefühle beim Lesen davon beeinflusst werden Teil der Buchbloggerwelt zu sein. 

Vor ein paar Monaten ist mir mit Erschrecken aufgefallen, dass ich beim Lesen selbst schon ständig daran dachte, was ich später wie in die Rezension schreiben würde. Ich konnte kein einziges Buch lesen ohne schon an die Rezension denken zu müssen. Diese Gedanken haben meine Freude am Lesen nicht gesteigert, im Gegenteil, auf einmal fühlte sich das Lesen wie Arbeit an, ich konnte dabei nicht mehr entspannen und meine Freude war generell getrübt. 

Nachdem mir dies klar geworden ist, habe ich angefangen aktiv daran zu arbeiten die Gedanken an Rezensionen, an Meinungen anderer Leser, anderer Buchblogger, anderer Booktuber, beim Lesen ganz bewusst zu unterdrücken und zu verdrängen. Ich habe angefangen bei manchen Büchern vor dem Kauf weniger Lesermeinungen zu lesen, habe angefangen spontaner Bücher für mich auszusuchen, so wie ich es in den Zeiten vor Buchblogs und Co. getan habe. Dies alles hat mir geholfen den Spaß am Lesen wieder steigern zu können, ich kann mich endlich wieder voll auf das Lesevergnügen konzentrieren, kann mich komplett in einem Buch verlieren, muss dabei nicht ständig an Rezensionen, Meinungen anderer und so weiter denken. Das Buch und ich, viel mehr gibt es beim Lesen nicht mehr und das ist wundervoll. 

Inspiriert wurde ich dazu auch ein wenig durch die anderen Leser in meiner Familie. Meine Mutter und Schwester, auch mein Vater, lesen sehr gerne, niemand von ihnen liest Buchblogs, studiert Rezensionen auf Buchseiten oder schaut Videos auf Booktube. Die eine oder andere Rezension wird vor dem Kauf eines neues Buchs zwar schon gelesen, aber mehr als eine Handvoll nie. Die drei gehen an Bücher freier heran als ich das tue, sie lesen nur für sich selbst, sind mit ihren Gedanken ganz bei den Büchern. An diesem Punkt war ich auch einmal und da will ich auch wieder hin. Meine Buchblogs will ich trotzdem weiterführen, aber eben so, wie es zu mir passt, wie es vor allem meinen Lesespaß nicht beeinträchtigt. 

Das alles hat natürlich auch Konsequenzen für meine Buchblogs und meinen Bocktube-Kanal: Posts gibt es dann, wenn ich etwas zu sagen habe und ich auch wirklich Lust dazu habe meine Meinung zu teilen, habe ich nichts zu sagen, halte ich den Mund. 
Auf About Happy Books schreibe ich mittlerweile zu den meisten gelesenen Büchern zumindest kurze Rezensionen, ich zwinge mich aber nicht dazu epische Romane zu verfassen, wenn meine Gedanken nur zwei Zeilen umfassen. Ich zwinge mich auch nicht dazu wirklich jedes Buch zu rezensieren, mein Blog, meine Regeln. 
Ich stelle weniger mich selbst und dafür wieder mehr die Bücher in den Mittelpunkt, vor allem auf meinem Booktube-Kanal hat dies zu erheblichen Veränderungen geführt. Diese Anpassungen haben mir dabei geholfen mein Verhältnis zu Büchern wieder zu normalisieren und auch die Freude am Bloggen wieder aufleben zu lassen. 

Ich werde auch die Anzahl an Buchblogs und Bocktube-Kanälen, denen ich folge, noch einmal begrenzen, denn zu viele Posts und Videos zu Büchern können sich tatsächlich negativ auf mein Leseerlebnis auswirken. Von Dramafreunden, Buchsnobs und Besserlesern (meine Bücher sind besser als deine) halte ich schon länger Abstand, so wird es auch in der Zukunft bleiben. 

Als weiteren Lesestoff für Buchblogger, die ihren Blog vielleicht gerade in Frage stellen, kann ich den Post "Von der Einsamkeit in einer riesigen Bloggerwelt ..." von Lucina sehr empfehlen. Vielleicht findet ihr euch in den Gedanken des Posts oder auch in den Gedanken anderer Buchblogger in den Kommentaren wieder, vielleicht helfen euch diese Gedanken dabei eure eigenen zu sortieren und zu guten Lösungen zu kommen. Der Post war übrigens auch der endgültige Anlass für mich endlich mal meine Gedanken zu dem Thema Lesen und Buchbloggen nieder zu schreiben, es wurde Zeit!

Kommentare:

  1. Hallo du!

    Ich finde diesen Post super, weil ich mich so damit identifizieren kann. Ich war genau in der selben Situation wie du: Beim Lesen war ich nur zur Hälfte bei der Sache, weil ich mit der anderen Hälfte schon bei der Rezension war. Was ist wichtig zu erwähnen? Was kann ich auslassen? Was gefällt mir besonders gut? Das ging so weit, dass mir das Rezensieren absolut keinen Spaß mehr gemacht hat und ich in weiterer Folge auch das Lesen immer mehr gemieden habe. In Kombination mit anderen Hobbies und Verpflichtungen kam somit auf 2 Monate nur 1, 2 Bücher zusammen.

    Und selbst mit den wenigen Büchern, die ich dennoch gelesen habe, wurde ich nicht glücklich. Es ist, wie du sagst: So viele Meinungen zu einem Buch sind nicht gut. Wenn ich weiß, dass alle Welt dieses Buch geliebt hat, dann kann das ja kaum was werden. Mittlerweile vermeide ich es tunlichst, allzu viele Rezensionen zu einem Buch, das ich noch lesen möchte, zu verinnerlichen. In den allermeisten Fällen lese ich Rezensionen zu Büchern, die ich bereits gelesen habe, um zu gucken, wie es der Bloggerin gefallen hat und eventuell ein wenig darüber zu quatschen.

    Seit einigen Monaten habe ich es mir antrainiert, ungezwungener zu lesen. Du hast nichts zu diesem Buch zu sagen? Dann lass es. Die Rezension würde ohnehin aus leeren, nicht aussagekräftigen Phrasen bestehen und mit einer Durchschnittswertung enden. Lass es.
    Seit ich diesen Zwang, unbedingt JEDES Buch, das ich lese, rezensieren zu MÜSSEN - die ganze Welt muss ja schließlich wissen, wie ich es fand! Der Blog verhungert doch sonst! - abgelegt habe, geht es mir so viel besser.

    Ich wünsch dir viel Erfolg bei der neuen Art, mit Büchern und Blogs umzugehen!
    Alles Liebe,
    Sandra

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    1. Genauso ging es mir auch, viel zu viele Gedanken drehten sich schon beim Lesen um die Rezension und der Spaß am Buch blieb auf der Strecke. Es war teils wirklich nicht mehr schön und es musste sich etwas ändern, sonst hätte ich den Buchblag gleich einstellen können.

      Das gleiche wünsche ich dir auch, lass uns unsere Buchbloss entspannt und mit viel Freude führen.
      LG

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  2. Eine super Entscheidung! Kann mich auch noch erinnern dass es mir nach einem Jahr bloggen und fast alles rezensieren so ähnlich ging und mir der Spaß an der Sache verloren ging. Mittlerweile rezensiere ich auch nur noch wenn ich Lust habe und schreibe die Rezensionen dann auch mehr so wie sie mir in den Kopf kommen, statt figuren, Stil und Plot einmal durchzugehen. Solche persönlichen eindrücke lese ich momentan auch viel lieber - also wenn Besonderheiten und ähnliches hervorgehoben werden, es aber einfach kürzer und irgendwie persönlicher ist? Finde ich auf jeden Fall toll, dass du es geschafft hast diese Gedanken auch abzustellen - es soll ja doch um die Freude am lesen gehen und nicht darum wie viel man schafft und dass man zu allem etwas sagen muss. Das ist ja wirklich erschöpfend.

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    1. Wie wahr, teils fühlte sich das Lesen für mich wie eine Pflichtaufgabe an, ich wollte nichts falsch machen und ja nichts wichtiges für die Rezension vergessen. Dass das Lesen dadurch immer weniger Spaß gemacht hat, ist klar. Ich musste mir wieder klar machen, dass der Blog nur ein schönes Hobby sein soll und das kann man ruhig entspannt angehen.

      LG

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  3. Super Post! Und wie es scheint sind wir beiden nicht die einzigen denen es so geht.

    Ich bin leider noch nicht soweit. Auch wenn ich nicht mehr alles rezensiere und weiß, dass ich die Gedanken abstellen will, so denke ich doch trotzdem beim lesen immer wieder an die dazugehörige Rezension. Ich weiß gar nicht, ob ich jemals wieder zu dem Punkt zurückkomme, wo ich einfach nur lese und mir halt dann und wann denke: "Wow, super" oder "Das finde ich blöd" ohne im Kopf schon die Rezension vorzuformulieren. Als ich 2007 mit rezensieren angefangen habe war das bei mir auch noch anders. Da habe ich gelesen und mir DANACH Gedanken darüber gemacht wie ich eine Geschichte fand. Da will ich wieder hin. Ich muss mir doch nicht während des Lesens über Sachen Gedanken machen, die auch noch warten können. Mal schauen, ob ich das hinbekomme... :)

    Ich hab die Anzahl an Blogs die ich lese auch noch einmal reduziert. 40 ist vielleicht immer noch viel, aber wenigstens sind es nicht mehr über 70. Wobei ich Rezensionen mehrheitlich bei GR lese. Aber auch da versuche im umzudenken. Ich lese Rezensionen nur noch, um für mich Empfehlungen etc. zu finden, versuche dann aber zu vergessen, WAS genau andere Leute gut oder schlecht fanden. Manchmal merke ich aber auch da, dass ich zu schnell wieder bei GR gucke, was andere denken... Und es beeinflusst einen wirklich und das ist schade. So schön Blogs etc. auch sind, sie hindern einen doch daran ohne Vorabeindrücke an ein Buch heranzutreten. Früher habe ich aus der Bibliothek einfach Bücher ausgeliehen (nach Klappentext habe ich geschaut, Genre und vielleicht auch noch: Andere Leute mochten auch, aber Rezensionen habe ich extrem wenig gelesen) und manche waren gut, und manche nicht. ^^

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    1. Genauso war es am Anfang bei mir auch, zunächst habe ich ein Buch gelesen und mich voll auf es konzentriert, erst danach habe ich mir Gedanken um die Rezension gemacht, schön war es. Es ist verdammt schwer wieder vollständig zu diesem Verhalten zurückzukommen, die Gedanken wollen nicht schweigen. Aber bei mir wird es immer besser und ich merke, wie sehr mir das beim Lesen gut tut.

      40 Blogs sind bei mir leider noch in weiter ferne, ich muss auch nochmal aussortieren und wirklich nur die behalten, die mich weiterbringen und die mir Spaß machen. Denn es ist noch zu viel und hält mich vom Lesen ab.

      Ich kann mich noch an eine Zeit mit wenig Internet erinnern, damals habe ich Rezensionen fast nie gelesen, habe mich wie du auf Klappentexte verlassen und im Buchladen nach Büchern geschaut, schlechter bin ich damit auch nicht gefahren.

      LG

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