Sonntag, 29. Mai 2016

Bücher lesen: Bin ich kritischer geworden?

Viele der Bücher, die ich in den letzten Wochen und Monaten gelesen habe, fand ich ganz ok, aber nicht toll. Und viele der aktuellen Neuerscheinungen hören sich durchaus interessant an, lösen in mir aber keine richtige Begeisterung aus. 

Gestern bin ich meine Wunschlisten durchgegangen, weil ich im Juni endlich mal wieder neue Printbücher kaufen will. Zwei Bücher sind sicher, bei einer Handvoll muss ich noch mal genauer hinschauen, aber ansonsten herrscht gähnende Leere. Das war nicht immer so und daher frage ich mich natürlich, was sich verändert hat. 

Bin ich vielleicht kritischer geworden?

Ich habe in den letzten Jahren sehr viele Bücher gelesen, im Jahr 200-300. Ich war ständig am Lesen, habe gelesen, was auch immer ich in die Hände bekam. Bin von Buch zu Buch gegangen, habe selten Pausen gemacht.

Ich habe sehr viele Typen von Charakteren kennengelernt, viele verschiedene Handlungsstränge entdeckt, am Anfang war alles neu, doch dann wiederholte sich das eine oder andere. Manche Geschichten und Charaktere begegneten mir immer wieder, ich fing an sie miteinander zu vergleichen. Ich war nicht mehr so unvoreingenommen, hatte immer mehr Vergleichsmöglichkeiten.

Ja, ich bin durch das Lesen kritischer geworden.

Manchmal finde ich das gut, ich achte mehr auf das, was ich kaufe, vergeude meine Zeit nicht mit Büchern, die mir nicht gefallen. Manchmal finde ich diese Entwicklung aber auch schade, denn ich gehe nur noch sehr selten unvoreingenommen an ein Buch heran, ertappe mich zu oft dabei Geschichten und Charaktere miteinander zu vergleichen, bin nicht immer ganz bei dem Buch, das ich gerade lese.

Natürlich kann ich die Zeit nicht zurückdrehen, ich habe gelesen, was ich gelesen habe. Ich habe die Erinnerung an viele Geschichten in meinem Kopf und da werden sie auch bleiben. Ich kann mir aber helfen, in dem ich mir Pausen vom Lesen nehme, wenn es sich richtig anfühlt. Ich kann "Stopp!" sagen, wenn ich gleich am Anfang eines Buches mit Vergleichen anfange, kann mehr darauf achten in Gedanken nicht zu anderen Geschichten abzuschweifen.

Mal sehen, wie es damit weitergehen wird. Ich hoffe, dass ich mir ein bisschen Unbekümmertheit und Unvoreingenommenheit beim Lesen wieder zurückgewinnen kann.


Bist du kritischer geworden? Und wie gehst du damit um?

Kommentare:

  1. Zu dem Thema habe ich mir auch schon Gedanken gemacht. Ich glaube, ja, zum Teil bin ich kritischer geworden. Wie du schon sagst, man kennt inzwischen viele verschiedene Charaktere, Plots, Worldbuildings und da wird es für meine jetzige Lektüre einfach schwieriger, mich vom Hocker zu reißen, einfach weil ich öfter mal denke "kenne ich, nichts besonderes", während das für jemanden anderen wahrscheinlich der absolute Knüller wäre.
    Dann kommt allerdings bei mir noch dazu, dass sich mein Geschmack in den letzten Jahren geändert hat. An Jugendbücher gehe ich leider inzwischen mit einer fiesen Portion Skepsis ran und ich glaube, dass mir das die wenigen, die ich noch lese, ein wenig versauert, obwohl ich sie schön finden könnte. Aber so einfach "abstellen" lässt sich das auch nicht.
    Es ist wahrscheinlich ein natürlich Prozess, dass man kritischer wird. Gerade diese Vergleichs-Sache bekommt man ja von Kind an mehr oder weniger antrainiert. Solange man aber die Bücher trotzdem noch mag bzw. weiterhin schätze findet, die einen begeistern, ist das schon in Ordnung, finde ich :).

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. YA Bücher lese ich noch gerne, aber doch auch wesentlich seltener als noch vor gut einem Jahr. Damals war ich richtig heiß auf sie. Klassische Liebesromane sind gerade, mal wieder, meine Nummer eins. Ich habe gelernt immer mal wieder zu einem Sachbuch zu greifen, dadurch bleibt mein Interesse an Fiktion in allen Formen erhalten.

      Ich stimme dir vollkommen zu, es ist ein natürlicher Prozess, den man nicht aufhalten kann. Und er hat ja auch seine positiven Seiten, ich will mich also gar nicht beschweren. Ein wenig gegensteuern werde ich aber weiterhin, denn sonst macht mir irgendwann gar nichts mehr Spaß.

      LG
      Sabrina

      Löschen
  2. Vielleicht würde ein Genreumschwung oder ein wenig Abstand helfen? :) Ich denke wir alle werden mit jedem gelesenen Buch kritischer, aber so schätzen wir die guten Bücher umso mehr! Zumindest ist es bei mir der Fall. Ich habe zum Glück dieses Problem noch nicht, da mein Lesetempo ziemlich langsam ist.
    Ich hoffe du findest wieder Bücher,die dich richtig begeistern :)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Momentan zieht es mich außer zu Liebesromanen zu reichlich wenig. Hier und da mal ein Buch aus einem anderen Genre ist ok, aber die contemporary romances passen zu meiner derzeitigen Leselaune schon perfekt. Mir ist dabei aufgefallen, dass es mir gut tut immer mal wieder ein Sachbuch zwischen zu schieben. Ich will nicht ständig eins lesen, aber ab und zu ist es genau das richtige.

      Insgesamt etwas weniger zu lesen hat mir auf jeden Fall geholfen, dadurch konnte ich an vieles denken, was nichts mit Büchern zu tun hat und das hat überraschend gut getan.

      Danke, dass hoffe ich auch. Ein richtig gutes Buch habe ich diese Woche immerhin gelesen, damit kann ich gut leben.

      LG
      Sabrina

      Löschen
  3. Ich glaube nicht, dass ich kritischer geworden bin, aber ich mache mir mehr Gedanken darüber WAS ich kaufe, ich weiß WAS ich mag und ich bin inzwischen bereit Bücher abzubrechen, wenn sie mir ganz offensichtlich nicht gefallen und ich bin auch bereit zu sagen, wenn ich ein Buch total doof finde und muss es dafür nicht zu Ende lesen. :D Zwischendurch war ich SEHR kritisch, nicht in dem Sinne, dass ich viele schlechte Bewertungen abgegeben habe, sondern das ich beim zu viel nachgedacht habe. Schon beim Lesen habe ich die Rezension formuliert, das war grauenhaft. Seitdem ich nicht mehr blogge, also auch nicht das Gefühl habe qualitativen Content bringen zu müssen, sondern nur noch bei GR rezensiere und was besonders wichtig war, während des Lesens keine Statusupdates bei GR mehr poste, sondern maximal wenn ich eine Lesepause mache, habe ich das Gefühl, dass ich Bücher mehr genießen kann und sie nicht mehr automatisch auf Herz und Nieren prüfe. Ich würde sogar fast sagen, dass ich möglicherweise heute besser bewerte als früher (bis auf die Bücher, die ich abbreche, was ich heute mehr mache). Früher habe ich alles kritisch hinterfragt, heute gibt es weniger Kriterien: Hat das Buch mich emotional berührt? Hat es mich gefesselt? War es unterhaltsam? Wenn das alles stimmt, ist es mir egal, ob die Idee x-mal aufgekocht ist, die Heldin dem üblichen Klischees entspricht oder der Held sich manchmal daneben benimmt. Klar, beim Rezensionen schreiben ist man etwas kritischer, aber ich versuche nichts zu über- bzw. zerdenken. Wenn mir beim lesen nicht viel aufgefallen ist, dann ist die Bewertung etwas kürzer und das ist in Ordnung. Auf meinem Blog hätte ich mir dann sonst was aus den Fingern gezogen, versucht alles zu erklären und bloß keinen falschen Eindruck zu erwecken und ja alles zu erwähnen. Ich habe mehr an den Leser der Rezension als an mich als Leserin gedacht. Ich bin noch nicht am Ende, aber ich habe wirklich das Gefühl, dass ich inzwischen freier und damit weniger kritisch geworden bin. Aber ich muss noch mehr an mir arbeiten und wieder zu meinem Teenager-Lese-Ich zurückfinden, dass einfach nur konsumiert und weniger kritisiert hat. :)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ich bin auch froh, dass ich mir generell mehr Gedanken darüber mache was ich kaufe, nicht nur bei Büchern. Denn dadurch wird auch mein Lesevergnügen gesteigert, da weniger Nieten dabei sind.

      Den Punkt mit dem Denken an die Rezensionen schon beim Lesen kannte ich auch zu gut, davon konnte ich mich glücklicherweise lösen. Es hatte mir teilweise das Leseergebnis richtig verhagelt, nach einer kleinen Pause mit Rezensionen und dem Umstellen der Art und Weise, wie ich rezensiere, ging es dann aber immer besser. Jetzt denke ich wirklich erst an die Rezension, wenn ich sie auch schreiben will.

      Ich finde deine Gedanken zu dem Thema Rezensionen schreiben faszinierend und finde mich in vielen Punkten wieder. Auch ich habe hinterfragt, für wen ich die Rezensionen eigentlich schreibe und warum ich mich an die Standards von anderen halten sollte. Im Endeffekt geht es doch darum, dass die Rezension mein Leseergebnis widerspiegelt, eine professionelle Abhandlung über das Buch war noch nie mein Ziel.

      LG
      Sabrina

      Löschen

Kontaktformular

Name

E-Mail *

Nachricht *