Freitag, 13. Mai 2016

Die Menschen hinter den Büchern: Gedanken zu Autoren, Lesern, Fans und Social Media

Heute möchte ich ein paar Gedanken mit euch teilen, alles rund um Themen wie Autoren, Leser, Fans und Social Media. Ich bin selbst nicht sicher, wohin die Reise gehen wird, aber warum nicht einfach mal losschreiben? 

Ich nutze Social Media, vor allem Facebook, um einigen Herstellern/Firmen, aber auch Autoren, zu folgen, um auf dem neuesten Stand zu bleiben, neue Produkte und Bücher nicht zu verpassen. Autoren wie Victoria Schwab oder Nora Roberts folge ich auf ihren Autorenseiten aber auch um ein bisschen etwas aus ihrem Leben zu erfahren. Dabei will ich viele private Details gar nicht wissen, will vor allem etwas von der Arbeit als Autor sehen. Übrigens finde ich Victoria Schwab auf Facebook super interessant, ihr Schreibstil in Büchern funktioniert für mich aber leider nicht. 

Auch wenn ich hin und wieder gerne etwas über das Leben der Autoren lese, so habe ich nicht das Gefühl sie persönlich zu kennen, wir sind keine Freunde. Denn um einen Menschen wirklich zu kennen, müsste ich mit ihm privat einige Zeit verbringen, müsste ihn in Alltagssituationen erleben. 

Doch im Internet scheinen diese Grenzen immer mehr aufzuweichen. Leser werden zu Fans, man hat das Gefühl Autoren ganz nah zu sein, sie gut zu kennen. Der Mensch steht im Fokus, nicht immer sein Werk. Videos mit Booktubern, in denen Autoren wie gute Freunde wirken, Tweets ohne Ende, und ähnliches haben viel verändert.

Ich war bisher auf einer Lesung eines Autoren, es war ganz interessant und ja, ich habe mir auch ein Buch signieren lassen, muss rückblickend aber sagen, dass sowohl das Treffen, als auch die Unterschrift keine große Bedeutung für mich haben. Denn sie bereichern mein Leseerlebnis nicht, haben mehr mit der Person hinter dem Buch zu tun als mit dem Buch selbst.

Veranstaltungen wie die BEA (Book Expo America) betrachte ich mit einer gewissen Faszination, denn hier wird alles auf die Spitze getrieben. Einige Autoren, aber auch Booktuber, erscheinen wie große Stars, um sie herum entwickelt sich ein mir befremdlich erscheinender Personenkult. Jeder will sie mal treffen und natürlich ein Selfie mit ihnen machen. Hat man sie getroffen, glaubt man gleich sie gut zu kennen. 

Versteht mich nicht falsch, Begeisterung rund um Bücher finde ich klasse und genial, doch geht es wirklich noch um Bücher? Ich fühle mich in dieser Welt manchmal fremd, vermisse den Fokus auf die Bücher, weniger auf die Autoren, egal ob positiv oder negativ (mit Blogs, die ständig nach Fehlern bei Autoren suchen um sie dann zu zerreißen, kann ich nichts anfangen). Und doch beeinflusst mich das Verhalten von Autoren online manchmal doch ganz erheblich. In den letzten Jahren habe ich einige Autoren von meiner Leseliste gestrichen, weil mir ihr Verhalten online auf Facebook-Seiten für Leser missfallen hat. Ich kann die Person auch nicht immer vom Buch trennen, will es auch nicht.

Will keine Autoren unterstützen, die republikanische Propaganda auf ihrer Autorenseite teilen, will keine Autoren unterstützen, die andere Autoren zerreißen, nur weil sie frustriert sind, will keine Autoren unterstützen, die homophobe Aussagen treffen, will keine Autoren unterstützen, die Autoren und Leser von Liebesromanen belächeln, damit aber selbst erfolgreich sind, will keine Autoren unterstützen, die jede Woche das Posten von halbnackten Männern zelebrieren, Frauen in knapper Kleidung aber mit Pornodarstellerinnen vergleichen. 

Ihr seht, es gibt so einige Dinge, auf die ich bei Autoren, Menschen allgemein, allergisch reagiere, vor allem wenn solche Inhalte nicht auf den privaten Seiten der Autoren geteilt werden, die mich nicht interessieren, sondern auf Seiten für Leser, eben da, wo auch ich bin. Denn dann betrifft es mich, dann steht die Person hinter dem Buch mehr im Fokus als das Buch selbst. 

Ich folge längst nicht allen Autoren, die ich lese, online, von vielen weiß ich also gar nicht, wie sie sich auf ihren Autorenseiten geben, damit lebe ich zumeist ganz gut. Vor allem weil ich heute insgesamt weniger Social Media benutze als noch vor gut zwei Jahren. Twitter habe ich endgültig gelöscht, Facebook nutze ich gezielter und insgesamt weniger, Snapchat mag ich nicht, verstehe den Sinn auch nicht und habe es daher nicht, Instagram benutze ich gerne, aber auch seltener. Der Stellenwert von Social Media in meinem Leben ist deutlich gesunken. 

Was ist jetzt also die Aussage dieses Posts? Ich weiß es selbst nicht genau. Kann aber klar sagen, dass ich mich nicht als Fan sehe, sondern als begeisterter Leser. Ein paar grundlegende Dinge weiß ich über die Autoren, deren Bücher ich lese, ganz gerne, mehr muss es aber nicht sein. Ich will eine gewisse Distanz zwischen Autoren und mir beibehalten, will sie weder anhimmeln noch sie gezielt schlecht reden. Es geht mir vor allem um Bücher, darüber will ich reden, darüber will ich nachdenken, darauf will ich mich fokussieren.  

Welche Gedanken schwirren euch bei "Die Menschen hinter den Büchern: Autoren, Leser, Fans und Social Media" so durch den Kopf?

Kommentare:

  1. Fan-Sein beschränkt sich bei mir eher auf das Können eines Autors. Wenn ich viele Bücher von ihm/ihr gelesen habe und durchweg toll fand, dann würde ich mich Fan seines/ihres Talentes nennen. Klar, bin ich dann auch mal neugierig, was da so für ein Mensch hintersteckt, gerade wenn es um lebensnahe Themen wie z.B. Depressionen geht (mir fällt dazu gerade Stephanie Perkins ein, die mit ihrer Krankheit online sehr offen umgeht). Das finde ich dann schon gut auch mal etwas mehr zu erfahren, aber Sachen wie "ich habe ein Baby bekommen" oder "so sah heute mein Mittagessen aus" interessieren mich gar nicht. Die Facebook-Beispiele, die du nennst, lassen mir die Haare zu berge stehen. Ich bin nie bei FB, wird da echt so was von Autoren gepostet? Das finde ich krass. Doof, wenn einigermaßen berühmte Menschen nicht unterscheiden können zwischen Professionalität und Privatleben.
    Der Hype um z.B. Booktuber ist da wieder irgendwie anders. Das kann ich noch verstehen, weil es bei denen ja wirklich mehr um ihre Person oder zumindest die Art, mit der sie sich präsentieren, geht. Obwohl das schon auch krass ist wie die auf der BEA und co. schon wie richtige kleine Stars behandelt werden.

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    1. Die Beiträge von Stephanie Perkins habe ich auf Facebook auch immer gerne gelesen, leider ist sie jetzt ja nur noch auf Twitter aktiv. Ich fand ihren Umgang mit dem Thema Depression mutig und klasse, so etwas ist mir dann auch nicht zu privat, denn es beeinflusst sie als Autorin ja maßgeblich. Muss mal direkt nachschauen, ob/wann neue Bücher von ihr rauskommen, bin da momentan nicht auf dem neuesten Stand.

      Ich frage mich auf Facebook auch immer, was sich die Autoren da denken. So etwas können sie gerne auf ihren privaten Seiten posten, aber doch nicht auf denen für Leser. Nett fand ich letztens auch eine Autorin, die zwei von Adeles Alben total verreißt (mit deftigen Worten), nur um im Post danach zuckersüß für ihre eigenen Bücher zu werben, da musste ich laut lachen.

      LG

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    2. Im Moment arbeitet sie eher als Herausgeberin, kommt jetzt diese Sommer-Anthologie, da ist auch eine Geschichte von ihr drin. Ansonsten schreibt sie als nächstes wohl was zum Thema "Horror"? Aber ich glaube das ist eher im realistischen Sinn gemeint. Ich bin schon sehr gespannt drauf, aber ich befürchte das dauert noch.

      Ich glaube die denken echt gar nicht. Die finden sich einfach nur geil und überlegen sich nicht, was sie für eine Zielgruppe um sich haben und wie sie die mit allem was sie posten beeinflussen können.

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    3. Horror ist per se ja nicht mein Ding, bei Stephanie Perkins kann ich mir aber vorstellen, dass es trotzdem passen könnte. Mal sehen, wann das Buch raus kommt.

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  2. Mir geht es ähnlich. Ich folge Autoren eigentlich nur bzw. lese deren Blogs/Facebook-Seiten, um etwas über Neuerscheinungen zu erfahren. Ich habe kein Problem, wenn private Dinge gepostet werden, sie interessieren mich aber nicht sonderlich. AUßER sie überschreiten eine Grenze, wenn z.B. Rezensenten etc. öffentlich bloßgestellt werden, was ich überhaupt nicht ab kann. Wenn Autoren negative Rezensionen lesen (wollen), dann sollen sie verdammt noch mal auch damit umgehen können. Ansonsten sollen sie es lassen. Dieser (gespielten) Fan-Nähe kann ich auch nicht viel abgewinnen, sowohl bei Youtubern als auch bei Autoren. Youtuber oder Autoren sind in 99% alle Fälle nicht deine Freunde, auch wenn sie es oft so aussehen lassen als wäre das der Fall. Ich schreibe explizit nicht über Booktuber, weil ich eigentlich keine verfolge, speziell die amerikanischen sind mir zu... äh... komisch. Ich mag deren Art überhaupt nicht, sie sind zu künstlich und irgendwie... naja. Aber ich denke dann an Beautyblogger, die ich auch nicht verfolge, aber bei denen ich diesen Starruhm für mich persönlich nicht nachvollziehen kann. Ich verfolge z.B. einige Let's Player, mich interessiert aber ihr Privatleben nicht, noch würde ich sie privat treffen wollen oder sonst was. Ich mag nur was sie tun...

    In einer Sache kann ich dir aber auf jeden Fall zustimmen. Manchmal kann man Autoren nicht mehr lesen, wenn man ihre Einstellung zu manchen Dingen kennt. Wenn ich etwas nicht weiß, interessiert es mich nicht. Wenn Autoren aber offen mit so etwas umgehen, ich es erfahre, dann fliegen sie auch von meiner Leseliste oder wenn sie z.B. gegen Rezensenten hetzen.

    Ich kann Autoren mögen, als Autor, nicht als Person. Ich freue mich z.B. über ein signiertes Buch, wenn ich ein Buch/Autor mag, bin aber niemand der in Tränen ausbricht, hyperventiliert oder sonst irgendwie etwas. Autoren sind für mich keine "Überpersonen", sie sind die Personen, die Bücher schreiben, die ich mag oder nicht mag. ^^

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    1. Den großen Booktubern folge ich auch nicht, ich habe immer das Gefühl, dass die mich anschreien und darauf habe ich wenig Lust. ;) Sie als Personen stehen eben extrem im Fokus und da wird vieles überspitzt präsentiert, ist nicht so mein Fall.

      Private Seiten von Autoren interessieren mich übrigens nicht die Bohne, aber die Seiten für Leser eben schon. Ich selbst würde mir genau überlegen, wie ich mich dort präsentiere, aber da macht sich scheinbar nicht jeder so viele Gedanken drüber.

      Der Personenkult in jedem Bereich wird uns wahrscheinlich noch lange begleiten und nur noch schlimmer werden, ein Grund warum ich weniger Social Media benutze und auch weniger Leuten auf Youtube folge. Denn das wurde mir auf Dauer viel zu anstrengend.

      LG

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  3. Liebe Sabrina,

    Mir geht es oft auch so. Ich hab letztens meine erste Lesung mitgemacht und irgendwie... es war schon cool, ich wollte die Autorin schon immer mal sehen, weil sie eben auch eine Persönlichkeit aus dem Fernsehen ist, aber an und für sich find ich es manchmal echt schwer, Bücher zu bewerten, wenn ich weiß, dass mir die Autoren auf meinen Social Media Kanälen folgen. Am besten gefällt es mir, wenn ich den Autoren wie eine unwirkliche Person betrachten kann. Wie mit Schauspielern. Ich will gar nicht wissen, welche Hobbys die haben und wer mit wem. Ich will das Buch für sich stehend lesen.

    Was einfach im starken Kontrast zu dem steht, was wir in der Uni gemacht haben. Da wurde das Leben des Autoren, sein Denken, seine Ansichten, seine Zeit mit in das Lesen und die Interpretation des Buches mit eingebunden. Natürlich gibt es auch eine Literaturtheorie, die den Autor ganz ausblendet und nur das Werk betrachtet. Etwas, das ich oftmals versuche. Manchmal bin ich aber auch sehr dankbar dafür, zu erfahren, welchen Menschen ich mit dem Buchkauf unterstütze. Gerade als du Homphobie angesprochen hast, hat mich das an einen Autoren erinnert, dessen Bücher mein Freund großartig fand, die ich aber nie anfassen werde, eben weil er gewisse Äußerungen von sich gegeben hat.

    Also sagen wir mal so, ich suche nie bewusst den Kontakt mit Autoren, ich google sie nicht, nur wenigen folge ich (meist um über neue Romane und Projekte informiert zu werden), aber da ich auf Social Media Kanälen aktiv bin und Blogs verfolge, bekommt auch unfreiwillig mit, was so mancher Autor von sich gegeben hat und manche setze ich auf meine Persönliche Blacklist.

    Liebe Grüße,
    Susanne

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    1. Hallo Susanne

      Den Aspekt mit der Literaturinterpretation, wie sie an Schule und Universität durchgeführt wird, hatte ich gar nicht bedacht. Danke dafür. Aber klar, hier werden die Persönlichkeit und der Hintergrund des Autoren ja gezielt zur Interpretation seiner Werke herangezogen. Das fand ich in der Schule durchaus interessant, z.B. bei einem Autoren wie Kafka, muss ich mit den Büchern, die ich in meiner Freizeit lese, aber nicht haben.

      Als ich noch Twitter hatte, fand ich es auch immer komisch, wenn mir ein Autor gefolgt ist. An sich spricht ja nichts dagegen, aber für mich hat es nicht gepasst.

      Ich kann deine Gedanken zum Umgang mit Autoren sehr gut verstehen, denn ich denke ganz ähnlich. Bestimmte Sachen will ich nicht unterstützen, dafür brauche ich ein paar Informationen. Am Privatleben der Autoren bin ich aber nicht interessiert und es geht mich meiner Meinung nach auch nichts an.

      LG
      Sabrina

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