Freitag, 28. Oktober 2016

Bücher gibt es nur noch jedes zweite Wochenende

Letztes Jahr wurde der Bücherei in der Nachbargemeinde eine volle Stelle gestrichen, seitdem ist die Arbeit natürlich nicht weniger geworden, daher passiert es schon mal, dass die Bücherei 1-2 Tage ganz geschlossen bleibt, wenn Personalmangel herrscht. Ehrenamtliche engagieren sich bereits in der Bücherei, können (und sollten) aber nicht alles auffangen, was die Stadt streicht. 

Seit Oktober ist man einen Schritt weitergegangen, Samstags findet man jetzt nur noch jede zweite Woche offene Türen vor. Gerade also an dem Tag, an dem Familien mit Kindern und Berufstätige das Angebot gut nutzen könnten. Über die genauen Gründe wird geschwiegen, man kann sich aber natürlich denken warum. 

Gespart wird momentan überall, Schwimmbäder werden geschlossen, Gebühren erhöht, dass die Büchereien da nicht verschont bleiben, ist klar. Und doch werden auf der anderen Seite in fast jeder Gemeinde eine Handvoll Projekte finanziert, die mich traurig den Kopf schütteln lassen. Ein günstiger Zugang zu Büchern, vielleicht auch zu Computern und ruhigen Arbeitsräumen, ist alles andere als Luxus, es sollte zum Leben dazugehören. Für jeden. 

Ich kaufe viele meiner Bücher selbst und weiß doch auch um den Schatz, den wir in Büchereien haben. Weiß, dass sie wichtige, fast schon magische Orte sind. Orte, die sich vielleicht neu aufstellen und gestalten müssen, sich anpassen an neue Zeiten und Anforderungen. Dazu braucht es aber mehr als eine Minimalausstattung und ein paar Ehrenamtliche, dazu braucht es die volle Unterstützung der Gemeinde und Städte, dazu braucht es Mut, Ideen und Geld. Dazu braucht es auch starke Bürger, die das Angebot der Bücherei nutzen und sich hörbar für ihren Erhalt einsetzen. Denn sonst wird es bald zur Normalität, dass es Bücher nur noch jedes zweite Wochenende gibt. 

Kommentare:

  1. Leider darf man dabei nicht vergessen, dass es auch Bürger gibt, die sich nicht einmal die Fahrt(-karte) zu eben dieser Bibliothek leisten könn(t)en. Die Probleme gehen leider sehr viel tiefer dieser Tage ... Aber ich danke Dir sehr für diesen Text und den Denkanstoß. Zwischen all den bunten Bildchen lesen wir so etwas viel zu selten auf Blogs!

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    1. Stimmt, dadurch wird es noch einmal schwieriger. Auf dem Land ist auch die Anbindung oft problematisch, vor allem am Wochenende läuft da nicht viel mit öffentlichen Verkehrsmitteln, ohne Auto geht fast nichts. Das war aber früher eher noch schlechter, zumindest in meiner Region.

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