Mittwoch, 21. Dezember 2016

Liebesromane: Vom Peiniger zum Helden

Neben MC-Helden, mit denen ich nichts anfangen kann (mehr dazu hier), und Liebesromanen im Mafiamillieu (Kopf schüttel) gibt es eine weitere Sorte von Liebesromanen, mit denen ich nicht warm werde. 

Ich rede von Liebesromanen, in denen der Held in der Vergangenheit großes Unrecht getan hat. Unrecht, von dem die Heldin direkt betroffen war. Egal ob extremes Mobbing in der Schule oder andere Taten, die man durchaus in den Bereich der (schweren) Verbrechen einordnen kann. Taten, die die Heldin traumatisiert zurückgelassen haben, die menschenverachtend waren und die in meinen Augen nicht entschuldbar sind. 

Und just diese Arschlöcher werden dann als Helden vorgestellt. Natürlich tut ihnen alles leid, natürlich sind sie nicht mehr die Person, die anderen das Leben zur Hölle gemacht hat und natürlich hadert die Heldin anfangs damit, am Ende öffnet sie aber ihre Arme, verzeiht alles und liebt den Helden über alles. 

Zwei dieser Bücher habe ich im letzten Jahr gelesen. Ich wollte wissen, warum diese Bücher bei anderen so hoch im Kurs stehen, wollte die Helden kennenlernen, denen alles verziehen wird. Wollte sehen, ob es mir auch so gehen würde. 

Meine Leseerlebnisse ließen mich je ernüchtert zurück. Denn ich konnte und wollte den Peinigerhelden nicht alles verzeihen, konnte nicht an ihren Wandel glauben, verstand die zweite Chance, die teils nach nur wenigen Tagen gewährt wurde, nicht. Für mich bagatellisierten die Geschichten teils die Vergehen der Vergangenheit. Für mich waren diese Helden keine Helden. 

Denke ich an diesen Begriff, dann denke ich an ganz andere Männer. Männer, die auch in für sie selbst schwierigen Situationen für andere einstehen, die Charakter zeigen und ihre Zeit nicht mit dem Tyrannisieren von anderen verbringen. Und ja, dabei ist es mir auch vollkommen egal, ob sie eine schwere Kindheit hatten oder nicht. 

Ihr kennt mich, ich brauche in meinen Liebesromanen nicht allzu viel Drama und mag nette Charaktere, da war eigentlich schon vor dem Lesen klar, dass es nicht funktionieren würde. 

Mittlerweile sehe ich Peinigerhelden in Liebesromanen als Dramaelement, das in die Geschichte geworfen wird um für Spannung zu sorgen. Diese Art von Element geht für mich persönlich inhaltlich nicht auf, daher werde ich in Zukunft einen großen Bogen um Bücher damit machen.

Beim Schreiben dieses Posts ist mir übrigens eingefallen, dass ich vor Jahren mal ein Fantasy-Buch mit ähnlicher Problematik gelesen habe. Es ging um Taten, die Jahrhunderte zuvor geschehen waren. Entschuldigt wurden sie mit dem geschichtlichen Kontext. Frei nach dem Motto: Als Eroberer war man eben damals so menschenverachtend und brutal, heute ist der Kerl aber natürlich ein anderer. Diese Erklärung hat für mich aus mehreren Gründen damals schon nicht funktioniert und mein Leseerlebnis war aufgrund meiner Probleme mit dem Helden dann auch ziemlich enttäuschend. 

Ich kann mich erinnern, dass das Leserlager damals gespalten war, für viele funktionierte der Held trotzdem als richtiger Held, für andere nicht. 

Diese Erinnerung zeigt, dass Peinigerhelden kein neuer Trend sind und dass ich mit meiner Ablehnung ihnen gegenüber konstant bin. 

Ich bleibe dann lieber bei meinen netten Liebesromanen und nehme in Kauf, dass diese in der heutigen Zeit teils als langweilig abgetan werden.  

Kommentare:

  1. Hey!
    Ich kann deinen Beitrag voll nachvollziehen und unterschreiben. Ja, vielleicht sind sie ein Dramaelement, aber meiner Ansicht nach vermitteln diese "Helden" gerade den jungen Lesern ein falsches Bild. Wenn einem solch ein Mensch über den Weg läuft, dann sollte man eher die Beine in die Hand nehmen und rennen, als demjenigen sofort alles verzeihen und sich in eine Liebesbeziehung mit ihm stürzen. Natürlich haben Menschen eine zweite Chance verdient, aber diesen "Helden" wird es einfach zu einfach gemacht. Für mich sind das keine Helden, sondern Idioten.
    LG
    Yvonne

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    1. Dem kann ich voll und ganz zustimmen. Ich tendiere dazu manche Dinge recht schwarz/weiß zu sehen, daher überrascht es mich im Endeffekt nicht, dass solche Geschichten nichts für mich sind.

      Ich weiß mittlerweile, welche Geschichten ich meiden muss um mich nicht zu ärgern, welche Charakterzüge und Plots für mich nicht funktionieren. Das macht mein Leseleben einfacher und besser.

      LG
      Sabrina

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  2. Huhu!
    Ich muss ja zugeben, dass ich 'leider' auf Badass' stehe. Beispiel: Snape
    ABER - ich verstehe was du meinst und da bin ich ganz bei dir - sowas mag ich auch nicht. Solche Typen, die dem Hauptcharakter etwas unentschuldbares angetan haben, Mobbing oder noch Schlimmeres, wie du es beschreibst, nur weil es gerade cool ist, oder man nicht alleine dastehen will (tut man ja nicht, man hat ja immernoch den Hauptcharakter), verdienen den Titel 'Helden' nicht.
    Die mag ich dann auch nicht mehr. Ich hab mal ein Buch gelesen, Titel weiß ich nicht mehr, in dem es als Nebenstrang darum ging, dass ein Typ seine Freundin jahrelang angelogen hat. Er hat ihr beigestanden, in der schweren Zeit, als die Mutter der Freundin ermordet wurde, und sie ahnte nicht, dass er der Mörder ihrer Mutter war. Nazürlich kam die Sache dann irgendwann raus und was macht sie? Verzeiht ihm. Niemals in meinem Leben würde ich einem Mann, einer Frau verzeihen, wenn er meine Mutter umbringen würde. Und dann noch die Tatsache, dass er mich über mehrere Jahre hinweg anlügt und mir vorspielt, dass er mir mitfühlt, wie ich um meine Mutter traure? Das war so absurd und so unrealistisch. Vor allem, weil Tochter und Mutter ein gutes Verhältnis hatten, aber selbst bei einem schlechten Verhältnis würde ich das nicht einfach so hinnehmen.
    Der Typ wurde voll als Held stilisiert, völlig unverständlich.

    Liebe Grüße,
    Linda

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    1. Wow, was für eine harte Geschichte, beim Lesen wäre ich wahrscheinlich ausgeflippt und dem Buch gegenüber gewalttätig geworden. Aber gut, manchen gefällt's und damit kann ich leben. Hauptsache mich zwingt niemand so etwas zu lesen.

      Ich habe meine Lektion gelernt und solche Bücher kommen mir nicht mehr ins Haus.

      LG
      Sabrina

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